HYPNOSE in der Zahnarztpraxis

Veit Meßmer im Gespräch mit Eberhard Mathes

Wo haben Sie die Ausbildung in zahnärztlicher Hypnose gemacht und wie lange arbeiten Sie schon damit?

Wir beide haben zusammen 2004 das Curri in Stuttgart durchlaufen. So lange kennen wir uns schon! Während der Ausbildung habe ich begonnen, mit Hypnose zu arbeiten. Die Herausforderung, die Hypnosebehandlungen aufzunehmen und sie in der Supervision mit Gudrun Schmierer und der Gruppe zu besprechen, war äußerst hilfreich!

Haben auch andere Praxismitglieder eine Ausbildung in Hypnose oder Hypnoseassistenz?

Ja, eine meiner Mitarbeiterinnen, die ich für besonders hypnosebegabt halte, weil sie u. a. Reiki praktiziert. Sie war ein Wochenende bei Christian Rauch. Mit ihr mache ich formale Hypnosebehandlungen am liebsten.

Wie funktioniert die Zusammenarbeit in der Praxis?

Zahnarzt Rottenbauer

Bei den meisten Behandlungen fließt die Hypnose indirekt mit ein. Dafür habe ich meine Assistenz in Pacing und Leading sowie in hypnotischer Kommunikation ausgebildet. Sie legt ihre Hand auf die Schulter des Patienten, lässt ihn ruhig und entspannt in den Bauch atmen, kündigt an, wenn es mal „etwas drückt“, und lobt vor allem immer wieder. Bei Kindern kennt sie die aktuellen Filme und Figuren meist besser als ich, unterstützt mich beim „Ampelarm“ und lobt auch hier immer wieder unsere kleinen Patienten. Liebevoller, wohlwollender und sanfter Umgang mit den Patienten in vertrauensvoller und entspannter Atmosphäre ist uns allen wichtig. In regelmäßigen Teambesprechungen und Supervisionen bearbeiten wir Probleme und Reibungen und wie wir harmonisch miteinander arbeiten können. Die von mir angeleiteten Gruppentrancen, jeweils zu Beginn der Sitzung, wirken dabei unterstützend.

Was wollten Sie als 10- Jähriger werden?

Ich wurde auf einem Bauernhof groß. So liebe ich die Natur und bewege mich gerne draußen. Dementsprechend las ich viele Bücher über Tiere und wollte Verhaltensforscher werden, wie Konrad Lorenz.

Was sind Ihre hypnotischen Lieblings-induktionen?

Entscheidet sich der Patient für eine formelle Hypnose, führe ich die Drei-Worte-Induktion durch. Bei der Behandlung der meisten Patienten führe ich jedoch eine indirekte Hypnose durch: Ich lasse sie tiefer in den Bauch atmen und mit dem Ausatmen An-Spannungen abgeben – „loslassen“! Auf diese Weise begleiten wir unsere Patienten, auch durch Berührung, wohlwollend und liebevoll. Mit dieser Atemlenkung habe ich selbst durch Yoga und Meditation jahrelange Erfahrungen gesammelt.

Erzählen Sie doch mal etwas über einen hypnotischen Misserfolg!

Für einen furchtbaren Misserfolg hielt ich es, als während der Hypnosebehandlung die Patientin zu würgen begann. „Das kann doch nicht sein!“, dachte ich. Zum Glück hatte ich die Sitzung auf Video
aufgenommen und konnte sie mit Gudrun Schmierer in der Supervision besprechen. Gudrun meinte, dass solche Zwischenfälle durchaus vorkommen können. Entscheidend sei, dass wir die Patientin gut aufgefangen haben durch unser Pacing und sie so in einem guten Zustand am Ende der Behandlung gehen konnte. Das hat mir die Angst vor Zwischenfällen genommen. Eigentlich gibt es gar keine Misserfolge, sondern nur Chancen sich weiterzuentwickeln!

Wenn Sie 10 Millionen Euro gewinnen würden, was würden Sie machen?

Hypnose Zahnarzt Würzburg

Dann würde ich wohl meine Praxis verkaufen und eine Zahngesundheitsstation in einem Armenviertel in Peru oder Bolivien aufbauen. Ich habe nämlich als Zahnarzt zwei Jahre lang sehr gute Erfahrungen in einem solchen Projekt in Santiago de Chile gemacht. Mit diesem stehe ich immer noch in gutem Kontakt, sodass sich so etwas verwirklichen ließe. Was raten Sie Anfängern, die die Hypnose in ihre Praxis integrieren wollen? Noch bevor ich angefangen habe, Patienten in Trance zu versetzen, habe ich Hypnose-CDs mit den Texten von Albrecht Schmierer besprochen, wie zum Beispiel „Beim Zahnarzt ohne Stress“, und dabei die hypnotische Sprache trainiert. Danach fiel es mir leichter, Hypnose anzuwenden. Zudem möchte ich Anfängern empfehlen, sich einen Hypnose-Qualitätszirkel in ihrer Nähe zu suchen. Hier treffen sich Gleichgesinnte zu freundschaftlichem Austausch, um sich zu unterstützen, Erfahrungen und Anregungen zu teilen. Zusammen mit Christian Leonhardt leite ich den Würzburger Hypnose-Qualitätszirkel, dessen Treffen für alle immer sehr bereichernd sind.

Welche Patienten behandeln Sie denn nicht so gerne?

Patienten, die ich als ablehnend erfahre, die alles besser wissen und die nur „haben wollen“ oder die durch ihre schwierige Psyche auffallen. Für solche „interessanten“ Patienten gibt es dann aber die Barlint-Gruppe, die sich dreimal im Jahr trifft. Unter fachkundiger Leitung werden dort diese Fälle bearbeitet.

Wenden Sie auch Selbsthypnose an?

Manchmal setze ich mich in einer Behandlungspause in mein Büro, lege die Füße hoch, höre eine Trancemusik wie „Meeresrauschen“ und begebe mich so in Gedanken an den Pazifischen Ozean Chiles. Eine andere Erfahrung in Selbsthypnose machte ich vor zwei Jahren, als ich wegen eines Oberschenkelhalsbruches viel liegen musste: Meine Familie erlebte mich in einer Art „Dauertrance“ – immer wieder visualisierte ich, dass die Knochen wie feine Würzelchen zusammenwachsen, dass Heilung geschieht, dass ich gehalten bin von Wohlwollen und Liebe. Diese Art der Selbsthypnose war wie eine Fortführung meiner 30-jährigen Praxis in gegenstandsfreier Meditation im Stile des Zen. Letztere übe ich auch jeden Morgen, wenn ich mich auf mein Meditationskissen in eine ruhige Ecke zurückziehe und versuche, die Gedanken und Gefühle loszulassen, um ganz im Hier und Jetzt zu sein. Das ist ein tranceähnlicher Zustand!

Was machen Sie am liebsten in Ihrer Freizeit?

Außer regelmäßig zu meditieren, fahre ich oft Rad, wandere und fotografiere gerne und lese abends in einem guten Buch. Zu meinen Lieblingsbüchern zählen dann auch: „Das weise Herz“ von Jack Kornfield, „Die Welle ist das Meer“ von Willigis Jäger und die Würzburgkrimis von Günter Huth.

Wenden Sie auch die Turboinduktion an? Wenn ja, bei welchen Patienten?

Die Turboinduktion als eine direktive Art entspricht mir nicht so sehr, weshalb ich sie kaum anwende.

Hat der Umgang mit der Hypnose Sie verändert? Wenn ja, wie?

Die Anwendung der Hypnose war für mich nach langjähriger Meditationspraxis genau das Richtige, eine Art „Fortführung“. Jetzt weiß ich, wie ich meine Patienten wohlwollend behandeln kann und wie ich ihnen helfen kann, ihre Ängste abzubauen. Ich kann sie dabei unterstützen, die Behandlungssituation möglichst angenehm und stressfrei zu erleben. Dies ist für mich ein ständiger Lern- und Erfahrungsprozess. „Leben bedeutet Veränderung“ (Willigis Jäger).

Quelle: Deutsche Zeitschrift für zahnärztliche Hypnose (DZzH), Ausgabe:  1/2012 (18. Jahrgang), ISSN: 1866-3362, Herausgeber: DGZH e.V.